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9d: Botschafter sein - Gedenken, um zu erinnern

von Christine Blinn, 04.02.2019, 12:11 Uhr

Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald - Foto/Abbildung: Sandra Rosa

In Erinnerung rufen
Erinnern? Was heißt das eigentlich? Es bedeutet nicht nur, etwas im Gedächtnis zu bewahren, sondern auch etwas wieder ins Bewusstsein zu rufen. Beides haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9d am vergangenen Mittwoch auf beeindruckende Art und Weise geleistet. Die Veranstaltung „Gedenken, um zu erinnern“ bildete dabei das Finale eines Projektes, dessen Planung bereits im vergangenen Sommer begann, wie sich Schulleiter Marcus Wald erinnerte, als der Gemeinschaftskundelehrer der Klasse, Alexander Krause, ihm seine Idee unterbreitet hatte.

Besuch der Gedenkstätte Buchenwald
Nach Wochen der Vorbereitung im GL-Unterricht machte sich die Klasse im Dezember auf die Reise nach Weimar, um die Gedenkstätte Konzentrationslager Buchenwald zu besuchen. Die 27 Jugendlichen erlebten etwas, das jeder von ihnen im Gedächtnis bewahren wird. Doch damit hatte das Projekt gerade erst begonnen. In der Aula der IGS Remagen teilten sie nicht nur die Fakten ihrer Reise und riefen damit beim Publikum altes Schulwissen in Erinnerung. Sie begleiteten den Abend stimmungsvoll künstlerisch: Ob Tim Mehnert am Schlagzeug, der dem Gefühl des Entsetzens über die Stationen des Grauens im KZ einen arhythmischen Takt gab oder Xenia Walter am Klavier, die den Anblick der zeitgenössischen Fotos gleichzeitig erträglich und ganz unerträglich machte. Es gelang ihnen, das Erlebte nicht nur kognitiv, sondern auch emotional zu transportieren. Gleiches galt für die eindrucksvollen Zeichnungen von Elisabeth Hülsebusch und Greta Kabalo. Einige Schülerinnen und Schüler fanden auch Worte für ihre Emotionen und nahmen das Publikum mit in ihre Gefühlswelten auf dem eiskalten, verschneiten Appellplatz der Schikanen, am Pfahl der Folter und vor den Öfen der systematischen Vernichtung. So angeleitet war die Gedenkminute als Höhepunkt des Abends nicht ein leeres Schweigen, sondern ein aktives Gedenken, Erinnern und Mitfühlen.

Verantwortung leben
Dass sich aus dem Erinnern auch eine Verpflichtung zum Handeln ergibt, machten die Schülerinnen und Schüler zum Abschluss der Veranstaltung deutlich. Sie stellten sich die Frage nach dem „Was bleibt?“ und formulierten Wünsche für das Land, in dem sie leben möchten, nämlich ein Land ohne Ausgrenzung, Hass, Krieg und Gewalt; ein Land, in dem Demokratie herrscht.

Dem Publikum wird der Abend im Gedächtnis bleiben und er hat ins Bewusstsein gerufen, dass in einer Welt, in der es immer weniger Zeitzeugen gibt, die Kultur des Erinnerns immer wieder revitalisiert werden muss. Die Schülerinnen und Schüler der 9d sind nun Botschafter dieser Kultur und tragen damit zu einem Land bei, in dem wir gerne leben möchten.